Ensemble CAMBIATA Wien

Baroque performance on historical instruments

Barockmusik aus Benediktinischen Klöstern in Österreich

Johannes Fux (1660-1741) gilt als einer der herausragendsten Komponisten seiner Zeit. Seinen Ruf verdiente er sich jedoch zu einem wesentlichen Teil durch seine Arbeit als Theoretiker. Sein Werk, „Gradus ad Parnassum“, ein Lehrbuch der Komposition, beschreibt die Regeln des strengen Satzes, des sogenannten Palestrina-Stiles. Es wurde von Meistern wie Bach und Mozart hoch geschätzt und war die Grundlage für alle späteren Lehrbücher des Palestrina-Stiles, den etwa Ernst Krenek noch als unerläßliche Grundlage für das Komponieren betrachtete. Ein anderes Werk von Fux – 'Singfundament: Die Fuchsische Solmisation'(c. 1705-1715?), einer von den drei erhaltenen Autographen – wird bis heute im Archiv von Stift Melk aufbewahrt. Der Stil von Johann Fux war als Resultat einer nachhaltigen Aufrechterhaltung durch seine Schüler, Nachfolger und selbst (Musikdirektoren) in Stift Melk fest in der traditionellen benediktinischen Musik über Jahrhunderte hinweg verankert.

Fux´ Symphonie a 3 ex C (K.331) gehört zu den Werken, die von der Türkenbelagerung inspiriert wurden. Man kann die Melodie der in Fux´ Unterbewußtsein eingeprägten Husarenheere gut heraushören. Diese Motive hat er im Jahr 1683 zu Papier gebracht; in genau demselben Jahr hat der polnische König Jan III Sobieski den Krieg gegen die Türken gewonnen. Durch das Einsetzen dieses höchst interessanten Werkes im Repertoire möchte Cambiata Wien auf jenes wichtige geschichtliche Ereignis hinweisen, dass Europa vor der Islamisierung bewahrt hat.

Charles Mouton (1626-1699) ist einer von wenigen französischen Komponisten seiner Zeit, dessen kammermusikalische Werke in Österreich im 17. Jh. bekannt waren und gespielt wurden. Die politischen Spannungen zwischen dem französischen und österreichischen Königshof waren so prekär, daß die Situation auch auf den Austausch musikalischer Werke negative Auswirkungen hatte.

Moutons einzigartige Sammlung von 5 stimmigen Kompositionen für Streichensembles befindet sich in Stift Kremsmünster. Werke dieser Kollektion sind von einzigartiger Form und einem eigenem Stil; ihr satter Klang imitiert den Klang eines ausgebauten Orchesters. Das Concerto a 5, ein Stück, das im Programm des Ensembles Cambiata Wien vorkommt, weist durch die Stimmenanzahl auf einen starken Einfluß der österreichischen Kompositionstradition hin. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass Charles Mouton bis zur endgültigen Niederlassung in Paris im Jahr 1678 eine Zeit lang in Österreich gelebt und gearbeitet hat.

Das Kloster in Lambach, welches im Jahr 1046 vom Würzburger Bischof - dem hl. Albert – gegründet wurde, ist bereits seit 950 Jahren im Besitz der Benediktiner. Ebenda hat der Komponist und Geiger Romanus Weichlein OSB (1652-1706) im 17. Jhdt. gearbeitet. Als Absolvent der Benediktinischen Universität in Salzburg hatte der Mönch großen Einfluss auf das musikalische Leben im Kloster, welches durchaus an das Niveau des österreichischen Kaiserhofes in Wien heranreichte. Der daraus resultierende musikalische Wettstreit wurde für Weichlein zum fruchtbaren Boden seines Schaffens. Zusätzlich entwickelte sich Weichleins stilistisches Repertoire durch den Einfluss vieler im Kloster gastierender Musiker, u.a. Heinrich Ignaz Franz Biber, zu bemerkenswertem Reichtum. Als musikalischer Direktor und Kaplan in den Jahren 1688-1691 hatte Weichlein sogar die Möglichkeit zusammen mit H.I.F. Biber dessen Werke einem eingehenden Studium zu widmen. Im Jahre 1692 hat Prinz Esterhazy den Benediktinern eine Kirche in Kleinfrauenheid zur Verfügung gestellt, die während der Türkenbelagerung im Jahre 1683 zerstört und geplündert wurde. Romanus Weichlein nahm als Pfarrer dieser Kirche die Aufgabe der Renovierung auf sich, die er bis zu seinem Tod beaufsichtigte.

Das Ensemble Cambiata Wien hat in sein Repertoire zwei Kompositionen von Weichlein aufgenommen: Eine Sonate aus der Sammlung „Encaenia Musices“ (1701) und ein im Kloster Lambach vor kurzem wiederentdecktes Stück mit dem Titel „Canon über das Posthörndl“ (1686). Diese Entdeckung motivierte Cambiata Wien zu weiteren Nachforschungen, da die benediktinischen Klöster in Österreich mit Sicherheit eine reiche Quelle noch unentdeckter Musik bieten.